Autorenportrait: Jan van Rijckenborgh

Jan van Rijckenborgh

Jan van Rijckenborgh hieß mit bürgerlichem Namen Jan Leene und wurde 1896 in den Niederlanden, in Haarlem, geboren. Schon früh zeigte sich sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, das ihn intensiv nach der Wahrheit und dem Sinn allen Lebens suchen ließ. Die offenkundige Diskrepanz zwischen Kirchenglauben und Lebenspraxis, die der junge van Rijckenborgh so oft bei Theologen wie auch Gläubigen wahrnahm, entfernte ihn immer mehr von der reformierten Kirche, der seine Eltern angehörten, und brachte ihn mit Professor Dr. A. H. de Hartogh (1869-1938) in Berührung.

Dieser freisinnige Prediger berief sich oft auf das Gedankengut von Jakob Böhme, dessen hermetischer Begriff der zwei Naturordnungen auch Jan van Rijckenborgh inspirierte. 1924 trat er zusammen mit seinem Bruder Zwier Willem Leene (1892-1938) in die 1909 von Max Heindel gegründete Rosicrucian Fellowship ein, und beide Brüder wurden 1929 mit der Leitung des niederländischen Zweigs, der Rozekruisers Genootschap, betraut.

Hier lernte Jan van Rijckenborgh die Manifeste der Rosenkreuzer und die Schriften von Paracelsus und Comenius kennen. Henriette Stok-Huyser (1902-1990), die später den Namen Catharose de Petri annahm, schloss sich den Brüdern Leene im Jahr 1930 an. Ihre weitere gemeinsame spirituelle Suche führte dazu, dass sich alle drei im Jahr 1935 von der Rosicrucian Fellowship lösten. So gründete Jan van Rijckenborgh in Haarlem mit seinen beiden Weggefährten die Internationale Schule des Goldenen Rosenkreuzes.

In der British Library in London war van Rijckenborgh unterdessen auf ein Werk von Johann Valentin Andreae, Rei publicae christianopolitanae descriptio, in englischer Übersetzung gestoßen, die er mitnehmen durfte. Zu dieser Schrift verfasste er einen Kommentar, den er 1939 zusammen mit seiner Übersetzung des Textes ins Niederländische unter dem Titel Christianopolis herausgab. Des Weiteren übersetzte er die Manifeste der Rosenkreuzer Fama Fraternitatis, Confessio Fraternitatis und Die chymische Hochzeit des Christian Rosenkreuz in die niederländische Sprache. In diesen Schriften fand er, was ihn selbst bewegte: den Aufruf zu einer allgemeinen Reformation, die vor allem die fundamentale Veränderung im Menschen selbst zum Ziel hatte.

In den Kriegsjahren 1940-1945 wurde die Schule des Rosenkreuzes durch die deutsche Besatzung in den Niederlanden geschlossen, sämtliche Aktivitäten der Gemeinschaft waren verboten.Während dieser Zeit vertiefte sich Jan van Rijckenborgh in das Corpus hermeticum (die gnostischen Lehren des Hermes Trismegistos), die Schriften der Manichäer und anderer gnostischer Gruppen und befasste sich mit der Geschichte der Katharer.

1956 erhielt die Arbeit Jan van Rijckenborghs und Catharose de Petris einen wichtigen Impuls durch den Kontakt mit Antonin Gadal (1877-1962), dem Hüter des Katharer-Erbes in Frankreich: Sie verbanden sich mit dem geistigen Schatz dieser von der Inquisition zerschlagenen Glaubensgemeinschaft.

1968 starb Jan van Rijckenborgh. Mit den rund 40 Schriften, die er, teilweise zusammen mit Catharose de Petri, verfasst hat, hinterlässt er den nach Wahrheit und Befreiung suchenden Menschen einen großen Schatz an Hinweisen und Hilfen für den geistigen Weg.