Pentragramm 5/2005

2005 Nr. 5

Es gab im Paradies nur einen Baum, den Baum des Lebens, und der Gott des irdischen Lebensfeldes verbot den Menschen davon zu essen.

Inhalt

  • Die Freiheit des Gottesplanes
  • Alles ist ...
  • Durch die Sinne gefangen
  • Gott im Inneren der Dinge erkennen!
  • Mit welcherlei Maß ihr messt ...!
  • Intuition
  • Der Geist der Liebe
  • Erst glauben, dann sehen
  • Das Sehen der Seele

Leseprobe "Durch den Glauben entwickelt sich ein anderes sehen"

[...] Auch im Zustand des Glaubens blicken wir erst einmal neugierig umher, voller Verwunderung und Erwartung. Wer "wir" denn eigentlich sind, ist dem Verstand nicht klar. Glaube ist eine dynamische Kraft, welche die Formseite unseres Wesens übersteigt. Sie verdrängt das, was wir gewöhnlich "Ich" oder "Personlichkeit" nennen, keineswegs, gibt ihr aber den Platz, der ihr zukommt, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wie wir uns dann selbst erfahren - wer oder was das auch immer sein mag -, ist nicht mehr so wichtig. Manchmal fühlen wir uns gefangen, manchmal befreit. Das kommt ganz darauf an, ob wir aus der alten oder aus der neuen Persönlichkeit leben, aus dem alten oder dem neuen Denken. Anfänglich zeigt sich das befreiende Licht dem Beuwusstsein nur ganz kurz, wie ein Blitz. Denn der Glaube ist die Schwingung einer höheren Ordnung, ein unirdischer Impuls, der einen Brückenkopf im Gebiet des vernünftigen Verstandesdenkens bildet. Er stützt sich nicht auf Tatsachen, Ereignisse oder Begründungen. Er ist nicht zu beweisen, sondern nur zu erfahren als wortloses, bildloses "Sein", das unsere Sinnesorgane vollständig unbeachtet lässt. Aber dieser eine, so kurze Moment, wie vage er auch war, ist ein neuer Impuls für unsere innere Entwicklung.

Heißt es nicht im Brief an die Hebräer, "Der Glaube ist ein fester Grund für die Dinge, die man noch nicht sieht"? Durch den Glauben entwickelt sich ein anderes Sehen, ein Sinnesorgan für eine ganz andere Ordnung. Ein "Gläubiger" ist daher ein Mensch, der von einer anderen Wirklichkeit weiß, weil er sie gesehen hat und den Weg dahin sucht, so dass all seine Fähigkeiten sich darauf richten.

Dieses »Sehen« muss hier als eine Totalität der neu-sinnesorganischen Wahrnehmung aufgefasst werden. "Wahrnehmung" ist nämlich etwas anderes, als das gewöhnliche Sehen, Hören oder Bemerken. Das "Wahr (e auf) nehmen" heißt aufmerksam sein und die in unser System hereinströmenden Eindrücke bewachen. Es ist ein bewusstes Anschauen mit kritischer Kontrolle, eine fortwährende Prüfung dieses "input" und eine Abstimmung auf die Vibration des "Wortes", auf die leuchtende Spur, die uns gleichsam körperlich mit dem anderen Ufer verbindet. Auch diese Abstimmung hat einen Namen: Verlangen. [...]