Pentagramm 6/2005

2005 Nr. 6

In zahlreichen Legenden Mittelamerikas wird Quetzalcoatl, die gefiederte Schlange als die höchste Manifestation des Göttlichen in der Welt der äußeren Form beschrieben ...

Inhalt

  • Einleitung
  • "Popol Vuh"
  • Die vielen Völker Mexikos
  • Wo Sonne und Mond sich Vereinigen
  • Verdrehte Wahrheit
  • Religion sitzt dem Menschen im Blut
  • Zeitalter
  • Pacal Votans Grabmal
  • Das Ballspiel der Mayas
  • Die Zeitrechnung der Mayas
  • Moderne Mayas
  • Die Erde ist eine Traumwelt
  • Quetzalcoatl
  • "Sie sollen vom Himmal aus gesehen werden"
  • Sprechende Steine
  • Atlantis
  • Wo das Licht einmal geschienen hat ...

Leseprobe

[...] Was Historiker und Archäologen auch berichten und aufdecken mögen, es ist immer nur eine beschränkte Sicht auf ferne, oft unverstandene Kulturen und auf einen Bewusstseinszustand, den wir nicht mehr besitzen. Hinzu kommt noch, dass ihre Sichtweise der veräußerlichten Kultur entstammt, die unsere Zeit kennzeichnet. Dabei wird stets die Überlegenheit und besseres Wissen des Betrachters unterstellt.

Wahrheit ist jedoch nicht an Zeiten gebunden. Sie drückt sich in jeder Zeit aus, wenn auch immer nur den Möglichkeiten entsprechend, welche die jeweilige Zeit bietet. Mexiko ist ein Land mit einer reichen kulturellen Vergangenheit. Es ist ein Land, über das wir staunen und das uns veranlasst, nicht nur im Boden nachzugraben, sondern auch in uns selbst. Dieses Land hat uns viel zu sagen, wenn wir es nur empfinden und verstehen können. Der Name Mexiko ist abgeleitet von dem geheimen Mantram der Priester des Quetzalcoatl "Me-xihc-co. Me-xihc-co. Me-xihe-co" und bedeutet:"Der Ort, wo sich Sonne und Mond begegnen". Oder anders gesagt: wo Geist und Seele sich begegnen und eins werden können.

Das heutige Mexiko ist ein Land mit einer Fläche von beinahe zwei Millionen Quadratkilometern. Es ist also viermal so groß wie das spanische oder französische Staatsgebiet. In der mehrere tausend Jahre umfassenden Geschichte dieses Landes haben sich viele Zivilisationen entwickelt, die zahlreiche Spuren hinterlassen haben. Ihre Entwicklungen wurden von spirituellen Impulsen geleitet und unterstützt. Davon zeugen noch heute Pyramiden, Tempel, Mythologien und Sonnenkalender.

Viele Kulturen konnten sich in diesem besonderen Land entfalten. Die wichtigsten sind die Kultur der Mayas und die der Nabuas. Zu der zuletzt genannten gehörten so bekannte Völker wie die Tolteken und die Azteken oder auch die späteren Mixteken. Von den Olmeken weiß man nichts, als den ihnen gegebenen Namen. Obwohl wahrscheinlich für viele das Volk der Mayas - außer den Inkas in Peru und Bolivien - in der Geschichte Mittel- und Südamerikas das berühmteste ist, gab es schon vorher im alten Mexiko bedeutende Kulturen. Sie bildeten die Grundlage für die Entwicklung zahlreicher Elemente der Mayakultur.

Mit seinen dreitausend Vulkanen ist Mexiko seit altersher ein Land der großen Unsicherheiten, der unterschiedlichsten und vielfach unerwarteten Eruptionen und Erdbeben. In diesem Land pflegt die Grausamkeit urplötzlich zuzuschlagen. Noch kürzlich - 1985 - wurde Mexiko-Stadt von einem schweren Erdbeben heimgesucht, bei dem viele tausend Menschen ihr Leben lassen mussten und unzählige Gebäude verwüstet wurden. Auch ist Mexiko ein Land der vielen Gegensätze. Dennoch bleibt das mexikanische Kredo: ";Viva Mexiko". Denn die Bevölkerung des Landes schickt sich an, das Joch der jahrhundertelangen Unterdrückung, Korruption, Ausbeutung und Erniedrigung mit Fallen und Aufstehen von sich abzuschütteln. Hoffentlich wird es einmal wieder die großen kulturellen und spirituellen Höhen erreichen, die es ermöglichen, dass "Sonne und Mond wieder eins werden". [...]