Pentagramm 4/2005

Pentagramm 4/2006 +

"Die Lehre Manis ist mit Ziel und Wesen des Christentums eins, wie die Rosenkreuzer schon seit Jahrhunderten verkündet haben. Daher ist Mani eine der wichtigsten Inspirationen der Rosenkreuzer." J.van Rijckenborgh

Inhalt

  • Von Licht zu Licht
  • Die Suche nach dem wahren Selbst
  • Der Weg, den Hermes weist
  • Der Mann, der die Stein belauschte
  • Naturmensch und Geistmensch
  • Die Einhheit der Pilger auf den Pfad
  • Mani-Die Gabe des Lichtes
  • Alles Gehörte geht im Unendlichen auf
  • Die Täuschung überwinden

Leseprobe

In der Geheimlehre der Hindus, den Upanishaden, steht folgendes Gleichnis: "Das Selbst (atman) ist der Wageninsasse, der Körper ist der Wagen, die Erkenntnis (buddhi) ist der Wagenlenker, das Denken (manas) ist der Zügel, die Sinne sind die Rosse und die Objekte der Sinne sind die Fahrbahn, die zum Ziel führt." (Katha Upanishad)

Die Suche nach diesem hohen Ziel und der Weg dahin erfordern große Ausdauer. Wir vermögen uns jedoch nicht so ohne Weiteres auf dieses Ziel zu konzentrieren. Unsere Denkfunktionen sind an einen biologischen Lebenstrieb gebunden, der uns in den Grenzen der materiellen Welt gefangen hält.
Unser Denken beschäftigt sich daher logischerweise mit vergänglichen Dingen. Oft sind unsere Gemütsbewegungen und Empfindungen wie ungestüme, kaum lenkbare Rosse, die sich auf die Phänomene der irdischen Welt stürzen und sie mit unserer Persönlichkeit verbinden. Um die Rosse zu bändigen, bemühen wir uns, unsere Instinkte zu kultivieren. So erhalten wir immer subtilere Fähigkeiten, mit denen wir uns in der Welt der Materie behaupten. Aber das wahre Selbst, das gleichsam irgendwo zwischen dem Gepäck im Wagen als Lichtkeim liegt, bleibt unberührt von all den so verfeinerten Lebensäußerungen. Solange wir unsere Lebensausrichtung — also auch das natürliche Denken — auf die Materie konzentrieren, bleiben unsere Gemütsbewegungen ebenfalls in den Grenzen dieses Lebensfeldes der Gegensätze und kann uns der Lichtkeim mit seinen Impulsen nicht erreichen.
Wir können dem Reigen von Lust und Schmerz, in den uns die Sinne verwickeln, nicht entkommen und kennen dessen Ziel zunächst nicht. Er hat auch gar kein Ziel! Es geht also nicht darum, in diesem Reigen etwas Bestimmtes zu erreichen, sondern darum, so bewusst wie möglich zu erfassen, dass wir zu einem anderen Lebensfeld gehören. Daraus kann dann ein Ziel entstehen! In einer solchen Verfassung werden wir einmal erfahren, dass die Welt, die uns die Sinne vorgaukeln, ein Trugbild ist. Die irrlichternde Begierde erzeugt dieses Trugbild und hält daher den darauf fol-genden Schmerz - der Enttäuschung - schon in sich beschlossen. Trugbilder sind falsche Vorstellungen der Gesetzmäßigkeiten, die unser Leben bestimmen.
Wenn wir diese Vorstellungen aufgeben und alle Dinge und Zustände nüchtern erkennen und annehmen, stoßen wir an eine Grenze der Erkenntnis. Aber wenn wir uns dann fragen, ob die äußere Gesetzmäßigkeit, die uns vorgegaukelt wird, tatsächlich besteht, dann ist das ein erster Schritt zur Befreiung des auf die Materie gerichteten Denkens.
Der verborgene Lichtkeim in uns hat dann ein bisher nicht gekanntes Gefühl erweckt, eine unbestimmte Ahnung, ein Heimweh. Wenn wir diese Ahnung unbeachtet lassen, führen uns die Sinne zusammen mit dem Verstand wieder auf große Umwege. Dabei wollen die Impulse des Lichtkeims uns zur Erkenntnis des verloren gegangenen inneren Lebens bringen!
Ein gereinigtes Herz führt zu rechter Erkenntnis, lesen wir in den Upanishaden. Mit der rechten Erkenntnis können wir unsere Erfahrungen im Reigen von Lust und Schmerz endlich verstehen. Im Licht unseres „Urgrundes“ gesehen, zeigt es sich, dass alle diese Erfahrungen notwendig, aber auch Abweichungen vom Weg zum wirklichen Ziel waren. Unsere verstandene Vergangenheit erweist sich als Nährboden für das vergessene wahre Selbst, das nun erblühen kann wie die Lotosblume im Schlamm eines Teiches.[...]