Pentagramm 3/2006
Steinerne Zeugen - Bogomil lernte, dass der Mensch ein
Theotókos sein kann: ein Mensch, der aus sich selbst Gott geboren
werden lässt.
Inhalt
- Spuren des Lichtes am Ufer der Zeit
- Ex Oriente Lux - Das Licht kommt aus dem Osten
- Ein bewegter Schmelztiegel
- Ein Rätsel aus dem Osten
- Ein Perle aus Licht in der Kette der Universellen Bruderschaft
- Bogomil, eine Stimme der Rechtlosen und Unterdrückten
- Steinerne Zeugen
- Der Ursprung des Bösen
- Die Suche nach dem goldenen Vogel
- Das Werk des Peter Deunov
Leseprobe
[...] Zu allen Zeiten rang und ringt der Mensch um das rechte
Verständnis, die richtige Unterscheidung zwischen Seele und
Materie, zwischen dem Göttlichen im Menschen und dem
Vergänglichen.
Die Mythen von Isis und Osiris in Ägypten fanden Widerhall in
Thrakien, in der kosmischen Religion der Muttergöttin und Dionysos,
ihres Sohnes der Sonne, in seinem tragischem Tod und seiner
Wiederauferstehung. Orpheus, der Sänger, der Königs-Prister,
ist der Lehrer des Geistfeuers des Dionysos. Die selben Gedanken
über Auferstehung und Wiedergeburt finden wir in der reinen
Auslegung des ursprünglichen Christentums durch die Bogomilen in
Bulgarien, Serbien und Bosnien-Herzegowina. Es sind Beweise dafür,
dass diese universellen Fragen die Menschen in jeder Periode stark
beschäftigt haben.
Thrakien wurde der Schmelztiegel des Altertums genannt - mit allen
entsprechenden Spannungen. Dennoch wurde auch in dieser Periode das
befreiende Wissen - in den Mysterien - bewahrt. Jetzt ist es praktisch
in allen Gebieten der Erde unruhig. Aber auch jetzt noch wird die
universelle Weisheit der Befreiung an einigen Orten sorgfältig
bewahrt, gelehrt und erlebt. [...]
[...] Als dann 864 das offizielle Christentum eingeführt wurde,
zeigte sich eine große Diskrepanz zwischen der lebendigen
Religion, vorgelebt von Menschen, die der Bevölkerung auf jede nur
mögliche Weise zur Seite standen, und der geistigen Bevormundung
durch die neue Staatskirche. Das stimulierte eine Bewegung, die
kühn und kompromisslos einen Weg der inneren Erkenntnis ging,
weshalb sie von Rom als Gegenkirche abgestempelt wurde. Sie organisierte
sich, wenn auch nur sehr lose, zu einer Bruderschaft und verbreitete
sich im ganzen südlichen Balkan und darüber hinaus. Was gab
diesen Menschen den Mut, sich weder durch Drohungen der Kirche noch
durch die Restriktionen des Staates bevormunden zu lassen?
Bogomilen, Gottesfreunde, wurden sie genannt. Was enthielt ihr Glaube
und wodurch waren sie so gefährlich für Kirche und Staat? Die
Bogomilen erkannten den gefallenen Zustand der Welt, in der sie lebten,
und wussten, dass wirkliche Einsicht nur aus einer vollkommenen inneren
Freiheit entstehen kann. Nur die Freiheit kann bedingungslose Liebe
für alle Wesen und Geschöpfe hervorbringen. Und die
allumfassende Liebe ist die absolute Grundvoraussetzung für ein
gnostisches Christentum, das auf das Königreich, das
ursprüngliche Lebensfeld des Menschen, wartet. Hinzu kam, dass
diese Menschen die Vertreter der Kirche nicht als leitende
Persönlichkeiten akzeptierten, da deren Lebenshaltung dem, was sie
predigten, widersprachen. Die Gottesfreunde blieben unabhängig. Und
das war Grund genug für Rom und Byzanz, sich in ihrem
Selbstverständnis bedroht zu fühlen und diesen lebendigen
Glauben als bulgarische Häresie zu verurteilen. Es dauerte nicht
lange, bis es zu Verfolgung und Ausrottung kam. Wahrend dieser
Ereignisse wurde das bulgarische Großreich immer schwächer, um
dann schließlich im 14. Jahrhundert von den anstürmenden
Türken erobert und weitgehend islamisiert zu werden.
Ein Nachhall der bogomilischen Geistesströmung lebt in Bulgarien
bis heute als größtenteils veräußerlichte Tradition
fort, die in ländlichen Gegenden als traditionelles Brauchtum
weiterhin gepflegt wird. Die Bogomilen durchlebten viele schmerzliche
Erfahrungen und mussten in fortwährender Unsicherheit leben. Aber
der Entwicklungsweg, den sie gingen, hat im südöstlichen
Europa vieles in Gang gebracht und nicht nur die religiöse und
kulturelle Entwicklung des Balkans beeinflusst, sondern über
verschiedene "Routen" auch ganz Europa.
Heute gärt es in fast allen Regionen der Erde. Die ganze Welt ist
ein Schmelztiegel. Auch wir tragen die Erfahrungen vieler Jahrhunderte
und Kulturen in uns. Und je nach den Punkten, die in unserem Atemfeld
stimuliert werden, kann die Erinnerung an das innere Wissen in uns
durchbrechen.
Heute gärt es in fast allen Regionen der Erde. Die ganze Welt ist
ein Schmelztiegel. Auch wir tragen die Erfahrungen vieler Jahrhunderte
und Kulturen in uns. Und je nach den Punkten, die in unserem Atemfeld
stimuliert werden, kann die Erinnerung an das innere Wissen in uns
durchbrechen. [...]