Pentagramm 4/2006

Pentagramm 4/2006 +

Was ist Philosophie? - Wovon also kann der Mensch ausgehen, wenn er auf den Weg zur inneren Bewusstwerdung zu einem Ergebnis kommen will?

Inhalt

  • Was ist Philosophie
  • Die Weisheit der Druiden und Barden
  • Die Druiden
  • Pythagoras und das Denken
  • Ein weiser Mann
  • Judas Ischariot - Evangelium oder Verrat
  • Plato: Das Höhlengleichnis
  • Eine glänzende innere Entwicklung

Leseprobe

Nach Pythagoras hat das Denken des Menschen zwei Quellen, oder, anders ausgedrückt, der Mensch besitzt zwei Organe des Denkens, ein niederes und ein höheres. Das niedere ist der rationale Verstand, bei Pythagoras die Überlegung genannt. Er ist ein aus der vergänglichen irdischen Welt aufgebautes Erkenntnisorgan mit dem Ich als Mittelpunkt, und ist deshalb auch nur für die Erscheinungen der vergänglichen Welt zuständig. Er stellt kausale Zusammenhänge fest, überlegt, welche Mittel zur Erreichung vorgegebener Ziele geeignet sind und ordnet die Wahrnehmungen der Sinne zu Begriffen und wissenschaftlichen Systemen.
Das höhere Erkenntnisvermögen des Menschen, bei Pythagoras die beste Einsicht genannt, ist ein spirituelles Denkorgan, man könnte sagen: ein intuitives Denken. Dessen Mittelpunkt ist das wahre Selbst, der Geistkern im Menschen. Es wird im Haupt aktiv, sobald der Geistfunke im Herzen lebendig wird. Da es aus den Gesetzen und Kräften der göttlichen Welt aufgebaut ist, können dem Menschen mittels dieses Denkens die Gesetze und Kräfte der göttlichen Welt sowie die innere Seite der Erscheinungswelt bewusst werden. Die Geistesschule des Rosenkreuzes nennt dieses intuitive oder spirituelle Denken auch das neue Bewusstsein, die neue Seele. [...]

[...] So werden dein Ich und damit auch dein Verstand zum Diener der neuen Seele. Mit dem neuen, intuitiven Denken wirst du eines Tages frei von allen irdischen Behinderungen sein. Stelle die beste Einsicht oben als Wagenlenkerin hin. Wenn du den Körper verlässt, und in den freien Äther gelangst, wirst du unsterblich sein und die Tiefen der Gottheit erkennen.
Du wirst auch den Zustand der sterblichen Menschen erkennen: Wie rollende Steine werden sie hierhin und dorthin gestoßen, erleiden endloses Leid. Und du wirst das Bedürfnis empfinden, ihnen zu helfen. Du kannst es dann, weil du selbst kein rollender Stein mehr, sondern fest in den Gesetzen und Kräften der göttlichen Welt verankert bist. Du erkennst die Bestimmung des Menschen und der Menschheit im Allgeschehen. Du erkennst, welche spirituellen Möglichkeiten in den Menschen stecken, denen du begegnest, und an welcher Stelle und zu welchem Zeitpunkt du ihnen helfen kannst. Du weißt auch, dass deine Hilfe nur darin bestehen kann, dass sie selbst einen Weg zur Befreiung finden und gehen.
Pythagoras selbst baute eine Geistesschule auf. Er sprach verschiedene Bevölkerungsgruppen: Senatoren, Knaben, junge Männer und Frauen, in vier berühmten Reden auf die ihnen gemäße Weise an und gewann dadurch Schüler und Sympathisanten. Sodann organisierte er seine Gemeinschaft, ließ Unterkünfte errichten, hielt Unterricht, entwickelte Rituale und veranstaltete gemeinsame spirituelle Dienste. Dazu war das intuitive Denken notwendig. Denn alle äußere Organisation musste dem inneren Gesetz entsprechen. Die Einteilung und die Stufen des Weges, das Verhältnis des Meisters zu den Schülern, die Inhalte der Rituale und Dienste - alles ergab sich aus den spirituellen Gesetzen und spiegelte sie wider.
Pythagoras verlangte von seinen Schülern unbedingten Gehorsam dem Geistgesetz gegenüber, das seiner Geistesschule zu Grunde lag und jedem Menschenherzen selbst eingeschrieben ist: Wenn du diese Lehren beherrschst, erkennst du die Essenz der unsterblichen Götter und sterblichen Menschen: wie sie alles durchdringt und alles von ihr regiert wird.