Pentagramm 1/2007
Das Licht ist der große Magier, ohne den nichts entstehen kann.
Dem Geburtsschoß des ewigen Lichtes entspringt alles. In seiner
Strahlung liegt der Beginn jeder stofflichen und chemischen
Wirklichkeit. Jedoch so, wie das Licht Leben erweckt, so kann es auch
Leben töten. Wenn Christus nicht nur als Kraft, sondern auch als
Licht geboren werden kann, dann wird alles umgesetzt, was dieses
Christuslicht nicht vertragen kann. Das ist also eine ganz andere
Wirkung als die einer nur magnetischen Kraft. Eine gnostische
Lichtkraft, die uns berührt, setzt etwas in uns um. Unter einer
solchen Berührung kann man nicht der selbe bleiben. Erkennen Sie,
welch eine große Bedeutung die Geburt des Lichtes im Menschen, in
einer Geistesschule hat? Alles wird getötet und Umgesetzt, was
dieses Licht nicht vertragen kann! Das wird gemeint mit den Worten:
"In ihm und durch ihn wird der alte Mensch in uns getötet und
der neue Mensch aufgerichtet."
Inhalt
- 2007 - Was wird es bringen
- Aus der Schatzkammer des Hermes I
- Konflikfrei leben
- Aus dem Arbeitsfeld
- Aus der Schatzkammer des Hermes II
- Die Kraft der Gnosis heute
- Ein Platz in Afrika
- Die Entschleierung verborgener Weisheiten
- Aus der Schatzkammer des Hermes III
- "Wie ein Kind in den ersten Übungen"
Leseprobe
In einem gewissen Tal wohnte einst ein Jäger. Jeden Tag zog er in
die Wälder, um Vögel zu jagen. Eines Tages gelangte er an das
Ufer eines großen Sees. Während er im Schilf stand und auf
Vögel wartete, fiel ein großer dunkler Schatten auf ihn und er
sah, dass sich im Wasser etwas spiegelte. Er blickte hoch, aber es war
schon fort. Da überfiel ihn ein feuriges Verlangen, die
Widerspiegelung noch einmal zu sehen, und er wartete den ganzen Tag.
Aber als es Abend wurde, hatte er noch immer nichts gesehen.
Betrübt und in sich gekehrt ging er mit leerer Jagdtasche nach
Hause. Seine Freunde wollten wissen, warum er so still war, aber er
sonderte sich ab und grübelte. Erst als sein bester Freund zu ihm
kam, konnte er es sagen. "Heute habe ich etwas Eigenartiges gesehen,
etwas, was ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ein großer weißer
Vogel schwebte mit ausgebreiteten, silbernen Flügeln durch das
ewige Blau. Und nun ist es, als würde meine Seele von einem Feuer
verzehrt.
Es war nur ein heller Schein, ein Flackern und eine Spiegelung im
Wasser. Aber jetzt will ich nichts anderes, als ihn berühren und
festhalten."
Sein Freund lachte. "Das war nur ein Sonnenstrahl, der auf dem
Wasser spielte oder der Schatten deines eigenen Hauptes. Morgen hast du
alles vergessen!" Aber am folgenden Tag und den Tagen darauf ging
der Jäger allein auf Jagd und suchte auf Feldern und in
Wäldern, am See und im Schilf, aber vergebens. Er schoss auch nicht
mehr auf Vögel, denn was konnten sie ihm noch wert sein?
"Was fehlt ihm nur?" fragten seine Freunde. "Er ist
verrückt geworden," sagte einer. "Nein, schlimmer
noch," sagte ein anderer. "Er behauptet, gesehen zu haben, was
keiner von uns jemals gesehen hat, und er will, dass wir es für ein
Wunder halten." "Wir wollen den Kontakt zu ihm abbrechen,"
sagten alle. Also war der Jäger fortan allein.
Eines Abends, als er tief bekümmert im Halbdunkel umherschweifte,
stand plötzlich ein alter Mann vor ihm, größer und
stärker als jeder andere. "Wer seid Ihr?" fragte der
Jäger. "Ich heiße Weisheit," antwortete der alte Mann,
"aber einige nennen mich auch Wissen. Ich wohne schon mein ganzes
Leben lang in dieser Gegend, aber wer nicht viel Kummer hat, sieht mich
nicht. Die Augen, die mich sehen wollen, müssen mit Tränen
gewaschen sein. Nur wenn jemand leidet, spreche ich." Und der
Jäger rief: "Wenn Ihr hier schon so lange wohnt, könnt Ihr
mir gewiss etwas über den großen, weißen Vogel sagen, den
ich durch das Blau schweben sah. Sie wollen mir weismachen, dass er nur
eine Einbildung ist, der Schatten meines eigenen Hauptes." Der Alte
lächelte. "Sein Name ist Wahrheit. Wer ihn gesehen hat, wird
niemals mehr "Ruhen. Er wird bis zu seinem Tod nach ihm
verlangen." Da rief der Jäger aus: " Wo kann ich ihn
finden?" Aber der Mann sagte: "Du hast nicht genug gelitten"
und ging davon.
Da nahm der Jäger die Spule seiner Einbildung aus seiner
Brusttasche, wand den Faden seiner Wünsche um sie herum und
verbrachte die ganze Nacht damit, daraus ein Netz zu weben. Am Morgen
breitete er das goldene Netz auf dem Boden aus, streute ein paar
Körner Leichtgläubigkeit darauf, die sein Vater ihm
hinterlassen hatte und die er in seiner Brusttasche trug. Sie glichen
weißen Fusselkügelchen und wenn man darauf trat, kam braunes
Pulver heraus. Dann setzte er sich und harrte der Dinge, die da kommen
sollten. Zuerst verstrickte sich ein schneeweißer Vogel im Netz mit
Augen wie die einer Taube. Er sang ein wunderschönes Lied.
"Ein Gottessohn! Ein Gottessohn! Ein Gottessohn!" sang er. Der
zweite, der hinein flog, war schwarz und geheimnisvoll mit schönen,
dunklen Augen, die tief in die Seele blicken konnten. Er sang nur:
"Unsterblichkeit!"
Der Jäger nahm beide in seine Arme und sagte: "Die beiden
gehören bestimmt zum schönen Geschlecht der Wahrheit."
Dann kam noch ein Vogel, der war grün und golden, sang aber mit
einer schrillen Stimme wie die einer Marktfrau: "Belohnung nach dem
Tod! Belohnung nach dem Tod!" Der Jäger sprach: "Du bist
vielleicht keine Schönheit, aber du magst bleiben" und ergriff
auch ihn. Und es kamen noch mehr mit leuchtenden Farben, Sie sangen
fröhlich, bis die Körner alle aufgepickt waren. Der Jäger
ergriff die Vögel, baute einen festen, eisernen Käfig, den er
"neuer Glaube" nannte und tat alle hinein. Dann kamen allerlei
Menschen, tanzten um den Käfig herum und sangen: "O
glücklicher Jäger! O besonderer Mann! Was für
prächtige Vögel! Und wie schön sie singen!" Niemand
fragte, woher die Vögel kamen und wie sie gefangen wurden. Sie
tanzten und sangen nur. Und der Jäger sprach erfreut: "Die
Wahrheit ist nun bei mir. Einmal wird sie ihre Federn abwerfen und ich
werde ihre schneeweiße Gestalt sehen."
Die Zeit verging und die Menschen tanzten und sangen. Aber der
Jäger wurde wieder schwermütig. Genau wie früher
schweifte er traurig umher. Das unaussprechliche Verlangen erwachte
erneut in ihm. Eines Tages saß er allein und weinte. Da kam
zufällig Weisheit des Weges. Der Jäger erzählte ihm, was
er getan hatte. Ein trauriges Lächeln spielte um Weisheits Mund. Er
sagte: "Schon so viele Menschen haben ein Netz für die Wahrheit
ausgespannt, sie aber niemals gefangen. Denn von der Saat der
Leichtgläubigkeit will sie nicht essen. Ihre Füße lassen
sich nicht festhalten von den Maschen der Wünsche. Die Luft dieser
Täler will sie nicht atmen. Die Vögel, die du gefangen hast,
sind eine Lügenbrut: lieblich und schön, aber trotzdem
Lügen. Die Wahrheit kennt sie nicht."