Pentagramm 2008/4
Nur Kräfte aus einem höheren Gebiet können die Grenzen
des niederen durchbrechen und in diesem Sinn wirklich weiterhelfen. Aber
wenn große Gruppen der Menschheit - von den neuen kosmischen
Einflüssen gedrängt - sich der Mitte des Kreuzes nähern,
können sie auf dem vertikalen Balken zu einer Auferstehung
gelangen. Dann ist Fortschritt möglich und kann eine neue
Gesellschaftsform entstehen, die "heilige Demokratie". in der
sich Menschen in innerer Einheit wahrhaft begegnen. In dieser Einheit
löst sich die Gebundenheit an die Natur auf und können die
höheren geistigen Werte des Menschseins das Bewusstsein erreichen.
Inhalt
- Der Mensch und die Monade J. Van Rijckenborgh
- Die Erschaffung des Menschen im Evangelium des Judas
- Lilith - das verdrängte weibliche Prinzip
- Shockproof: Rosengarten versus Taipei Betrachtungen eines Pentagramm-Lesers
- Die große Versöhnung
- Christian Rosenkreuz-Heim 1958-2008
- Von Ewigkeit zu Ewigkeit Wissen - Können - Wollen - Wagen - Handeln - Schweigen
- Aufstand oder Auferstehung Gelenkte interkosmische Reaktionen verändern den Menschen und den Planeten
Leseprobe
Shockproof:
Rosengarten versus Taipei
Nach dem Orakel I Tjing aus dem alten China gibt es drei
unterschiedliche Schock-Arten: die des Himmels, die des Schicksals und
die des Herzens.
TSJEN - DER SCHOCK
"Schocks kommen und gehen: Gefahr. Aber man verliert absolut nichts,
es ist nur das eine oder andere zu tun. "
Es geht hier nicht um einen einzelnen Schock, sondern um mehrere, bei
denen man kaum Zeit findet, Atem zu holen. Dennoch verursachen sie
keinen Schaden, wenn man darauf achtet, im Zentrum der Bewegung zu
bleiben und sich so vor dem Schicksal bewahrt, fortwährend hin- und
hergeschleudert zu werden.
Diese Gedanken weisen uns daraufhin, dass jeder Mensch in seinem Leben
mit der einen oder anderen Form des Schocks konfrontiert wird. Die
Schock-Arten des Himmels, die / Tjing als Donner beschreibt,
überfallen uns aus der Natur heraus. Alle Naturerscheinungen wie
Unwetter, Lawinen, Flutwellen und unzählige andere
,,schockende" Ereignisse gehören zu den himmlischen
Schock-Arten. Die zweite Sorte, die vom Schicksal ausgelösten
Schocks, bezeichnen wir meistens als "enormes Pech". Unser
Verstand kann Pech nicht immer in den logischen Ablauf der Dinge
einordnen. Wir sagen dann: "Schicksal", und das kann einerseits
etwas Beruhigendes an sich haben, kann andererseits aber auch einen
Schock kennzeichnen, der innere Kraft erfordert, um der von außen
kommenden Gefahr begegnen zu können. Wahre Kraft lässt sich
durch Gefahr nicht zu Hast verleiten, sondern nimmt sich Zeit,
während Schwäche durch Gefahr in Aufregung gerät,
erschüttert wird und die Geduld verliert. Der dritte Schock ist der
des Herzens. Damit kommen wir zum Kern, um den es geht. Die ersten
beiden Schock-Arten kommen von außen, während der Schock des
Herzens ein Beben unseres tiefsten Inneren ist, in dem Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft zusammentreffen. Geistige Entwicklung beginnt im
Herzen. Sowohl Freude als auch Kummer nehmen wir im Herzen wahr - als
Fülle und Einheit oder als Leere und Einsamkeit. Die Freude, die
sich als Einheit äußert oder den Kummer, der sich in
Einsamkeit ausdrückt, können wir als Schock empfinden. Um
zwischen diesen beiden Bewegtheiten nicht fortwährend hin- und
hergeschleudert zu werden, ist es notwendig, Stabilität zu
entwickeln. "Der Mensch bemüht sich, gerecht zu leben und
untersucht sein Herz, ob darin nicht doch noch etwas dem göttlichen
Willen widerstrebt. Hier ist also Ehrfurcht die Grundlage für ein
wahrhaftiges Leben."
Vielleicht ist das der wahre Sinn von ,,shockproof sein.
Im modernen Taiwan nimmt die Herausforderung, "shockproof', also
"stoßsicher" zu sein, Gestalt an in dem Bauwerk Taipei 101.
2004 war es noch das höchste Bauwerk der Welt mit seinen 508
Metern. Seit dem 21. Juli 2007 wird es vom Burj Dubai um 5 Meter
überragt. Und Ende 2009 soll in New York der Meter hohe Freedom
Tower fertig sein. Der Architekt vonTaipei berichtet in einer
Dokumentation, dass sich während der Bauzeit nahezu
unüberwindliche Probleme ergaben. Der aus Glas und Stahl bestehende
Taipei Bau gleicht einem riesigen Bambustrieb. Das Moderne wurde bewusst
mit der Tradition verbunden. Bambus steht dabei für Wachstum, Kraft
und Elastizität. Das Gebäude sollte nicht nur von Innovation
zeugen, sondern man wollte auch höher bauen, als es jemals auf
Erden geschehen ist.Taipeis Umgebung gilt seit jeher als unruhig. Es
treten regelmäßig Erdbeben und Taifune auf. Die Stadt liegt
auf der Spalte zwischen zwei tektonischen Platten der Erdkruste, was die
Bewegungen erklärt. Tektonische Platten sind megagroße, sich
bewegende Flächen der Erdkruste, durch die unter anderem Vulkane
und Inseln entstehen. Taipei 101 muss also Naturkatastrophen standhalten
und verursacht dabei aber auch selbst Gefahren. Seit dem Bau wurde mehr
seismische Aktivität wahrgenommen als vorher. Untersuchungen
während der Bauzeit zeigten, dass sich in nur 200 m Entfernung zwei
Linien der tektonischen Platten kreuzen. Statt den Bau zu stoppen,
suchte man nach Möglichkeiten, das offenbar Unmögliche doch zu
verwirklichen. Vor allem, weil bereits ein Vermögen in dieses
Projekt investiert worden war und man es im gewissen Sinn auch als
Herausforderung und Prestigeobjekt betrachtete. Man stand also vor
folgenden Problemen: Einerseits muss das Hochhaus Erbeben standhalten
und andererseits auch den starken Winden, die orkanartig gegen die
Mauern peitschen. Erdbeben erfordern ein sich mitbewegendes Gebäude
(Schilf beugt sich und ist sehr stark), während es bei einem Orkan
darauf ankommt, dass es relativ unbeweglich ist. Wie kann man beide
Eigenschaften kombinieren - und dann auch noch einen
Schönheitspreis gewinnen?
Der Architekt sah an den Ecken des Gebäudes Spalten vor, durch die
der Wind gleichsam geteilt wird, also weniger Angriffsfläche
findet. Die Spitze des Hochhauses wurde durch schwere Schockdämpfer
sturmsicher gemacht. Wenn der Bau den verschiedenen Schock-Arten der
Natur widerstehen kann, kann er sozusagen sein eigenes Leben fuhren, wie
es der Architekt beabsichtigt hat. Dieser wurde genau hierzu inspiriert.
Eine Assoziation: Als Mensch können wir auch in ein
"Erdbebengebiet" geraten, vor allem wenn wir nach täglicher
Selbsterneuerung streben. Bei unserer beruflichen Arbeit können wir
Einflüsseerfahren, denen gegenüber wir uns unter den gegebenen
Umständen machtlos fühlen. Es sind Situationen, in denen wir
uns mitbewegen und für unsere Umgebung gleichsam ein Puffer sein
müssen. Auf diese Weise dienen wir den Arbeitsabläufen. Genau
so oft geschieht es, dass ein heftiger Sturm oder sogar Orkan durch
unser berufliches oder persönliches Leben fegt, so dass wir uns
festhalten müssen, um nicht umgeweht zu werden. Dann müssen
wir fest auf unseren Füßen stehen und dürfen uns gerade
nicht mitbewegen. Hier gibt es keinen Puffer. Rechtzeitig müssen
wir unseren persönlichen Stoßdämpfer einsetzen, um so die
Kraft des Sturms zu brechen. Das erfordert bestimmte Eigenschaften oder
Seelenqualitäten, die wir in ruhigen Zeiten entwickelt haben
müssen. Ist das nicht geschehen, dann ist die Möglichkeit,
dass wir umfallen, groß. In unserer Zeit, in der wir uns nun einmal
in der Welt bewegen müssen, besonders auch in unserem Alltag,
sollten wir prüfen, woraus wir unsere Inspirationen schöpfen.
Ehrlichkeit uns selbst gegenüber ist dabei wesentlich. Ohne die
Bereitschaft, nach Beseelung zu suchen, um danach in Freiheit zu
wählen, was wir mit der Inspiration anfangen, verändert sich
nichts. Die Inspiration veranlasst uns zu Schritten in eine bestimmte
Richtung. Das muss nicht immer äußerlich geschehen. Denn man
kann auch innerlich viele Schritte tun, Zuhause, bei der Arbeit, an
jedem Ort, an dem man in Ruhe in das eigene Innere blicken kann.
Dann tritt man in die Welt des eigenen Labyrinthes ein. Neben der Route
mit den ausgetretenen alten Spuren, auf denen wir sooft nicht erreicht
haben, was wir suchten, öffnet sich nun ein ganz anderer Weg. Wir
betreten ihn mit frohem Mut trotz der Erinnerung an bisheriges
Misslingen. Weiter gehend, "wechseln wir die Schuhe". Und je
mehr wir merken, dass Farbe und Form der uns umgebenden Landschaft sich
verändern, beginnt die Hoffnung zu wachsen, dass der Irrgarten
dieses Mal auf unser starkes Verlangen nach dem Neuen reagiert.
Allmählich verändert sich die Atmosphäre. Der Atem
ist wie abgeschnitten. Zuerst ist alles kahl, es wächst
wirklich nichts. Das Einzige, was wir wahrnehmen, ist der starke Wind,
der die Bäume biegt. Danach empfinden wir, dass wir uns einer
Reinheit nähern, die alles verändern kann, wenn wir wahrlich
wollen. Langsam erhält alles um uns herum Farbe und steht
plötzlich in voller Blüte. Wir nehmen wahr, dass der Wind sich
gelegt hat und wir wieder frei atmen können. Wir setzen uns
auf eine kleine Bank am Brunnen und wissen innerlich, dass wir nicht
mehr weiter durch den Irrgarten laufen müssen, um einen Ausgang zu
finden. Die Freiheit, die wir gesucht haben, wir sind in sie
eingetreten, in die eigene, innere Landschaft. Das Einzige, was uns zu
tun bleibt, wenn das alltägliche Leben uns wieder hin und her
werfen will, ist, diesen Weg nach innen weiter zu gehen. Hier finden wir
den Quell, an dem wir uns immer wieder mit Kraft aufladen können.
Wir müssen nicht mehr in der Außenwelt nach Inspiration
suchen. Sie ist immer da. Wir brauchen nur nach innen zu reisen und
Kontakt aufnehmen mit dem erneuernden Quell des Lebens und der
Inspiration - im eigenen Rosengarten.