Buch des Monats Januar
Jakob Böhme - Ein einfaches Leben in Christus
Eine Anthologie
Von Beruf war Jakob Böhme (1575-1624) Schuster, aber gleichzeitig
war er auch Mystiker, Philosoph, hermetischer Gnostiker – ein mit Gott
innig verbundener, demütiger Mensch. Er bezeichnete sich als
einfältig, ohne "hohe Kunstfertigkeit und hohen Verstand".
Und wer in seinen Schriften liest, spürt unmittelbar die Klarheit
und Schönheit dieser Einfalt, denn ihr Charakteristikum ist nicht
Mangel, sondern Reichtum: Reichtum an Glauben, Überzeugung und
eindeutigem inneren Wissen.
Jakob Böhme lebte, wie er sagte, "einfach in Christus" und
verstand es hervorragend, von diesem Leben zu schreiben, seine
Einsichten in Worte zu fassen, die auch heute noch jeden suchenden
Menschen gleichermaßen berühren und aufrütteln.
Leseprobe
So habe ich also geschrieben, nicht aus den Lehren der Menschen oder
ihrer Wissenschaft, aus Büchern erlernt, sondern aus meinem eigenen
Buch, das mir in mir eröffnet wurde, nämlich dem edlen
Gleichnis Gottes. Es wurde mir vergönnt, das Buch des edlen
Bildnisses (d.h. des Ebenbildes Gottes) zu lesen, und darin habe ich
meine Ausbildung gefunden wie ein Kind im Haus seiner Mutter, das sieht,
was der Vater macht und ihm in seinem Kinderspiel nachspielt. Ich
brauche kein anderes Buch dazu.
Mein Buch hat nur drei Blätter, das sind die drei Prinzipien der
Ewigkeit. Darin kann ich alles finden, was Mose und die Propheten sowie
Christus und die Apostel gesprochen haben. Ich kann den Grund der Welt
und alle Geheimnisse darin finden. Doch nicht ich, sondern der Geist des
Herrn tut es nach dem Maß, wie er will.
Denn ich habe ihn viele hundert Mal angefleht: Wenn mein Wissen nicht
zu seiner Ehre und meinen Brüdern zur Besserung dienen würde,
möchte er es wieder von mir nehmen und mich nur in seiner Liebe
erhalten. Aber ich habe gefunden, dass ich mit meinem Flehen das Feuer
in mir nur heftiger entzündet habe. Und in dieser Entzündung
und Erkenntnis habe ich meine Schriften verfasst.