Buch des Monats Oktober
Einige Worte aus dem Innersten
Zwei kurze Schriften des Karl von Eckartshausen, beide Ende des 18.
Jahrhunderts in Leipzig zum ersten Mal erschienen, sind in diesem
kleinen Band vereint. Erstens: Einige Worte aus dem Innersten,
denen der Autor folgenden Untertitel hinzufügte: Für die,
die noch im Tempel und in den Vorhöfen sind, und zweitens:
Über die Perfektibilität des Menschengeschlechts und die
nahe Vollendung der Erwählten – eine Trostschrift für die
Wartenden.
In klaren Gedankenbildern behandelt Eckartshausen immer wieder die
Fragen: In welcher Weisheitsschule, durch welche Lebensregeln und
-gesetze kann sich der Mensch der Vollkommenheit nähern? Wie
erwirbt er die reine Vernunft und wie gelangt er zu Gott, der die Quelle
der Weisheit und der Liebe ist?
Leseprobe
Die Weisheitsschule hat drei Bücher:
die Bibel oder den alten Bund,
das Evangelium, den neuen Bund,
das Buch der Natur.
Die Bibel für den Verstand,
das Evangelium fürs Herz,
das Buch der Natur für die Sinne.
Drei Lichter sind aber notwendig, um diese drei Bücher zu
verstehen:
- das göttliche Licht für die Bibel oder den alten Bund,
- das geistige Licht für das Evangelium oder den neuen Bund,
- das natürliche Licht für das Buch der Natur.
Der höchste und reinste Verstand aber besteht nur darin, wenn
sich diese drei Lichter durchleuchten; wenn das göttliche Licht das
geistige und das geistige das natürliche Licht
durchglänzt.
Wir sehen vom Äußern ins Innere, vom Innern ins Innerste:
von der Form ins Organ, vom Organ in die Kraft; von der Erscheinung in
die Wirkung, von der Wirkung in die Ursache; vom Aug in Geist, vom Geist
in die Seele. Und dieses Sehen im Licht ist eines der innersten
Geheimnisse.
Einige Worte aus dem Innersten
von Karl von Eckartshausen